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Graue Energie

Reduzierung des Bedarfs an Grauer Energie

Graue Energie bezeichnet die Energie, die für Herstellung, Transport, Lagerung und Entsorgung von Baustoffen aufgewendet wird.

Durch die Wahl von Materialien mit geringem Energiebedarf (z. B. nachwachsende Rohstoffe wie Holz) und die Reduzierung von Transportwegen (regionale Materialien) kann der Bedarf an Grauer Energie gesenkt werden. Auch die Wiederverwendung von Bauteilen (Recycling) trägt zur Optimierung bei. Auch der Trend zu hybriden Bauweisen mit Kombinationen von Holz/Stahl oder Holz/Beton stellt einen Lösungsansatz dar. Besonders wichtig sind auch lange Lebenszyklen.

Die Sanierung und/oder die Umnutzung von Bestandsgebäuden reduziert die neue notwendige Graue Energie gegenüber dem Abriss und Neubau.

Wir setzen uns für die Reduzierung des Bedarfs an „Grauer Energie“ ein
Foto: Ralf Vetterle/Pixabay

Wir setzen uns für die Reduzierung des Bedarfs an „Grauer Energie“ ein – und erklären gerne ausführlich, was wir damit meinen.

„Graue Energie“ ist ein zentrales Bewertungskriterium für nachhaltiges Bauen, da sie die unsichtbaren energetischen Aufwendungen eines Gebäudes über seinen gesamten Lebenszyklus betrachtet. Durch bewusste Materialwahl, Bestandserhalt und regionale Versorgung lassen sich erhebliche Einsparungen an „Grauer Energie“ realisieren.

Im Detail:

1. Was ist „Graue Energie“?

„Graue Energie“ im Bauwesen beschreibt die gesamte Energiemenge, die über den gesamten Lebenszyklus eines Baustoffes oder Gebäudes benötigt wird — von der Rohstoffgewinnung über Herstellung, Transport, Lagerung, Verarbeitung bis hin zur Entsorgung oder Verwertung. Dieser Energieanteil ist im Produkt „enthalten“ und wird manchmal auch als energetischer Rucksack bezeichnet.

„Graue Energie“ umfasst also sowohl direkte Energieaufwendungen wie die Herstellung als auch indirekte Energieaufwendungen wie den Transport eines Bauteils zur Baustelle. Der Begriff „grau“ beschreibt, dass diese Energie meist unsichtbar ist — im Gegensatz zur Betriebsenergie (z. B. Heizenergie), die Verbraucher täglich wahrnehmen.

Betrachtet man die „Graue Energie“ über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes, lässt sich ihr tatsächlicher Anteil am Gesamtenergieaufwand (inklusive des Energieverbrauchs, der für den Betrieb des Gebäudes – etwa Heizung oder Haushaltsstrom – benötigt wird) abschätzen. Bei sehr langlebigen Bauteilen relativiert sich dann der Bedarf an „Grauer Energie“, bei kurzlebigen Bauteilen, die im Laufe eines Hauslebens mehrfach erneuert werden müssen, schlägt sie stärker zu Buche.

2. Welche Bauteile verschlingen besonders viel „Graue Energie“?

Der Bedarf an „Grauer Energie“ hängt stark von der Art des Materials und dem Herstellungsprozess ab. Grundsätzlich gilt: Je energieintensiver ein Herstellungsprozess ist, desto höher ist die graue Energie. Transport und Entsorgung spielen eine Rolle, sind aber in aller Regel untergeordnet.

Besonders energieintensive Prozesse sind:

  • Zement- und Betonproduktion: Die Herstellung von Zement erfordert hohe Temperaturen und ist weltweit einer der größten Energieverbraucher und CO₂-Verursacher im Bauwesen.
  • Stahl- und Metallverarbeitung: Stahlproduktion (insbesondere Primärstahl) ist energieintensiv durch Schmelzen, Raffination und Walzen.
  • Aluminium und Kunststoffe: Hohe Prozesswärmen und oft energieaufwendige chemische Synthesen führen zu großen grauen Energiewerten.
  • Erdölbasierte Dämmstoffe (z. B. EPS, XPS und PUR/PIR) und Mineralwolle: Rohstoffgewinnung, thermische Prozesse und hohe Anlagenenergie treiben die graue Energie hoch. (yourhome.gov.au)

Weniger energieintensive Materialien:

  • Holz (insbesondere mit hohem Recyclinganteil oder regionaler Herkunft) hat vergleichsweise niedrige graue Energie.
  • Nachwachsende Rohstoffe wie Stroh, Hanf oder Lehm benötigen deutlich weniger Herstellenergie. Das gilt auch für Dämmstoffe aus Holzfasern, Zellulose und anderen nachwachsenden Rohstoffen.
3. Wie wird „Graue Energie“ nachgewiesen?

Um graue Energie systematisch zu bewerten, nutzt man im Bauwesen die Lebenszyklusanalyse (LCA für „Life Cycle Assessment“). Dabei handelt es sich um eine standardisierte Methode zur Erfassung der Umweltwirkungen eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus. Energieeffizienz-Experten wie die meisten Mitglieder bei BenG e. V. kennen sich in der Anwendung von LCAs aus.

Als Ergebnis der Lebenszyklusanalysen erhält man einschlägige Kennzahlen wie den Primärenergiebedarf (nicht erneuerbar).

Grundlage für die Berechnungen sind die Environmental Product Declarations (EPDs). Dabei handelt es sich um herstellerspezifische Umweltdeklarationen, die LCA-Daten formal ausweisen und u. a. graue Energiekennzahlen beinhalten.

4. Wo gibt es Materialdaten und graue Energiewerte für Laien?

Für praktische Recherchen und Vergleichswerte eignen sich Online-Datenbanken, in denen eine Vielzahl von Baustoffen enthalten ist. Hier gibt es Bauproduktdaten, bauökologische Richtwerte und Werkzeuge zur Berechnung von Ökobilanzen und Energiekennzahlen für Baustoffe und Bauteile, z. B. baubook.at, oekobaudat.de, ibu-epd.com.

Andere hilfreiche Quellen sind die Hersteller selbst, bei denen Umweltproduktdeklarationen (EPDs) oft direkt zum Download verfügbar sind.

5. Warum spielt Dämmung eine besondere Rolle?

Auch wenn auf den ersten Blick viel „Graue Energie“ für die Herstellung aufgewendet wird – Dämmung „kostet“ nicht nur Energie, sondern spart vor allem Energie ein! Entscheidend ist immer die Betrachtung über die gesamte Lebensdauer. Die Energiebilanz von Dämmung ist viel besser als manche vermuten.

Tatsache ist – das zeigen Studien, Messungen von Energieverbräuchen und Lebenszyklusanalysen eindeutig:

Dämmung lohnt sich. Als Maß wird dafür mit der „energetischen Amortisation“ gerechnet. Diese gibt an, wie schnell die „Graue Energie“ durch die Energieeinsparung im Betrieb wieder „zurückverdient“ wird. Je länger ein Bauteil im Einsatz ist und je größer sein Beitrag zur Senkung des Heizenergieverbrauchs, desto schneller amortisiert sich die eingebrachte graue Energie. Dies relativiert bei allen Dämmstoffen den anfänglichen Energieaufwand über die Lebensdauer des Gebäudes.

Zwar schneiden Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen tatsächlich in der Regel besser ab, aber auch synthetische Dämmstoffe haben den Energieaufwand der Herstellung in wenigen Jahren wieder „reingeholt“: Bei normalen Dämmstärken dauert es im Schnitt keine zwei Jahre, bis die Dämmung ihre „Graue Energie“ wieder eingespielt hat. Ab dann wird nur noch Energie gespart. Bei Dämmung aus nachwachsenden Rohstoffen kann es wenige Monate schneller gehen.

Und was gilt bei besonders starken Dämmungen? Auch da sind sich die echten Fachleute einig: Mit jedem Zentimeter zusätzlicher Dämmung nimmt der Grenznutzen ab. Die ersten Zentimeter bewirken am meisten, die letzten bringen vergleichsweise wenig Nutzen. ABER: Selbst beim besonders stark gedämmten Passivhaus spielt jeder Zentimeter Dämmung seinen Herstellaufwand wieder ein. Das kann unter Umständen etliche Monate oder gar wenige Jahre länger dauern, aber danach sind die Einspareffekte umso höher.

Das gilt auch für die letzten Zentimeter, die mancher für nicht mehr notwendig hält: Die Dämmung verdient ihr Geld über Jahre und Jahrzehnte.

6. Wie kann man „Graue Energie“ einsparen?

Einige pragmatische Tipps zum Einsparen von „Grauer Energie“:

Bestandserhalt vor Neubau

  • Erhalt und Sanierung bestehender Gebäude nutzen bereits gebundene graue Energie und vermeiden hohe Neubaubelastungen.

Regionale Materialien

  • Kurze Transportwege reduzieren „Graue Energie“ in der Logistik.

Wiederverwendung

  • Die Wiederverwendung von Bauteilen (z. B. Holzträger, Dachziegel) reduziert neuen Rohstoffeinsatz. Auch Kleinvieh macht Mist und hat oft Charme: Gebrauchte Klinker sind ein echter Hingucker, ebenso wie alte Türen oder Fliesen der 1960er Jahre.

Materialwahl und Konstruktion

  • Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen, Recyclingmaterialien und modularen Bauteilen senkt graue Energie.
  • Reduzierter Materialeinsatz durch optimierte Konstruktionen ist ein einfaches Hebelmoment.

Kreislaufwirtschaft

  • Wer heute schon an die Demontage und das Recycling am Ende der Nutzungsdauer denkt und darauf achtet, dass keine Verbundmaterialien, sondern leicht trennbare Bauteilschichten eingesetzt werden, senkt die „Graue Energie“ der Zukunft. Wenn die Materialien wiederverwendet werden können, sogar über mehrere Lebenszyklen.