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CO2-Reduktion

von BenG-Mitglied Martin Rapp,
WAKA Thermosystems GmbH

Minimierung von Treibhausgasen in Bau und Betrieb

Der menschengemachte Klimawandel fordert in allen Lebensbereichen dringende Maßnahmen, um die globale Erwärmung so stark wie möglich zu bremsen. Die Reduzierung der Treibhausgasemissionen ist dabei der entscheidende Faktor.

Der Bausektor, also die Errichtung und der Betrieb von Gebäuden, ist einer der Bereiche mit dem größten CO2-Fußabdruck. Von der Herstellung und Auswahl der Baustoffe über die Organisation der Abläufe bis zu optimierten Nutzungskonzepten sind die Potenziale zur Vermeidung von Kohlendioxid riesig.

Status quo und Ziele

Bei der Entwicklung der Treibhausgasemissionen muss der Blick notwendig differenziert sein, unter anderem regional und sektoral. Während der weltweite Ausstoß von CO2 bis zuletzt weiter zugenommen hat (wenn auch verlangsamt), ist er in Deutschland im Vergleich zum Referenzjahr 1990 schon deutlich zurückgegangen. Bis 2024 wurde er schon fast halbiert. Das liegt einerseits an dem Rückbau großer Industriebereiche der ehemaligen DDR nach der Wiedervereinigung, vor allem aber am Ausbau erneuerbarer Energien bei der Stromerzeugung.

Deutschland will bis 2045 in der Gesamtbilanz kein Treibhausgas mehr ausstoßen – das hat die Politik im Klimaschutzgesetz festgelegt. Auf diesem Weg ist die bisherige Einsparung trotzdem erst die halbe Strecke. Von den verschiedenen Sektoren hinkt neben dem Verkehr der Gebäudebereich bislang deutlich hinterher. Das Tempo der Reduktion ist in diesem Bereich viel zu langsam.

Woher kommt das ganze Kohlendioxid im Bau?

Der Bausektor ist in weiten Teilen in zweierlei Hinsicht ein Klimasünder: Zum einen werden Stoffe eingesetzt, deren Herstellung viel Kohlendioxid freisetzt. Hier gilt insbesondere Beton mit dem dafür notwendigen Zement als großer CO2-Verursacher, aber auch Metalle wie Stahl und Aluminium. Zum anderen sind Gebäude oft noch so konstruiert, dass ihre Nutzung mehr Energie verbraucht als nötig. Und Energie ist wertvoll: Sie sollte so effizient wie möglich eingesetzt werden.

Möglichkeiten zur CO2-Vermeidung beim Neubau

Die Zahlen sind je nach Quelle unterschiedlich, aber eins ist ihnen gemeinsam: Sie sind hoch. Für bis zu 8% der weltweiten CO2-Emissionen wird die Zementherstellung verantwortlich gemacht. Der Beton, der damit produziert wird, reicht aus, um eine 27 Meter breite und 27 Meter hohe Mauer um den Äquator zu bauen – Jahr für Jahr. Insofern liegt im Beton- und Zementverbrauch und ihrer Produktion ein wesentliches Element, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Große Hoffnungen ruhen deshalb auf dem zunehmenden Einsatz von Recycling-Beton.

Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz grundsätzlich emissionsärmerer Baustoffe. So haben Häuser, bei deren Bau Holz statt Stahlbeton eingesetzt wird, eine deutlich bessere Klimabilanz. Mit Holz wird nicht nur weniger CO2 freigesetzt, sondern sogar im Gebäude für die Dauer der Nutzung gebunden. Wird der Wald, aus dem das Holz stammt, nachhaltig bewirtschaftet, dann ist die Emissionsbilanz also negativ.

Nicht alle Gebäude lassen sich in allen Teilen in Holzbauweise errichten. Beton und Zement werden weiterhin zum Einsatz kommen. Doch durch die Bepreisung von CO2-Emissionen und dem wachsenden Klimabewusstsein wird die Erforschung und Entwicklung von verbesserten Herstellungsverfahren und alternativen Baustoffen forciert.

Emissionsreduzierung im Betrieb

Ein noch größerer Anteil der CO2-Emissionen von Gebäuden fällt im Betrieb an. Um Häuser nutzbar zu machen, müssen sie klimatisiert werden – was in unseren Breitengraden meistens „Heizung“ bedeutet. Aber auch für Kühlung im Sommer und Warmwasser wird Energie benötigt.

Der CO2-Fußabdruck dafür hängt also entscheidend davon ab, wieviel Energie benötigt wird und wo sie herkommt. Der BenG setzt sich dafür ein, dass Gebäude so konstruiert werden, dass sie möglichst wenig Energie verbrauchen und diese Energien möglichst aus nachhaltigen, weil regenerierbaren Quellen kommen.

Bei der Verbrauchsreduzierung spielt die thermische Isolation der Gebäude die wichtigste Rolle. Je weniger Wärme durch die Gebäudehülle entweicht, desto weniger muss für ein angenehmes Wohnklima wieder eingebracht werden. Mit dem Einbau von Dämmstoffen wird der Wärmeverlust von Häusern wirksam verringert. Und im Sommer wirkt Dämmung gegen die Aufheizung der Raumluft. Zusätzlich können Einbauten zur Verschattung den Bedarf an Kühlung begrenzen. Der Einsatz von bedarfsorientierten Steuerungssystemen hilft, Energie im Betrieb zu sparen. Die ideale architektonische Kombination von Dämmung, Dichtigkeit und technischer Wärmerückgewinnung ist das Passivhaus.

Sanierung statt Neubau spart Emissionen

Ja: Neue Gebäude können durch innovative Baukonzepte von Grund auf klimaschonender errichtet werden. Und ja: Neue Gebäude können so konstruiert werden, dass sie weniger Energie im Betrieb verbrauchen. Und ja: Ein Bestandsgebäude auf energieeffizienten Neubaustandard zu bringen, ist aufwändig und – je nach baulicher und ökonomischer Substanz – manchmal auch nicht sinnvoll möglich.

Und trotzdem: Nicht nur wir, sondern auch renommierte Klimaforscher sind überzeugt, dass die Sanierung von Bestandsgebäuden durch den Erhalt der darin gebundenen grauen Energie deutlich ökologischer sind als ein Neubau.